Ein Weg braucht nicht unbedingt ein Ziel, aber er braucht Plätze zum innehalten


Liebe_r* Reader

Ich habe am Anfang diesen Jahres viel gelernt. Ganz einfach deshalb, weil meine Ohren nicht mehr mitgespielt haben.

Ich habe gelernt über das Innehalten, über den Winter, über die Ruhe und wie schnell man sie verliert. Darüber, wie es ist, in Prozessen zu sein, in denen man vielleicht nicht sein will. Darüber, was der Körper erzählt und beharrlich wird, wenn man nicht zuhört. Darüber nachzudenken, was man will und dass es dann doch irgendetwas ganz anderes ist.

Manchmal fühlt sich das an, als würde man in einem Zug sitzen, und man hatte wo ganz anders hin gebucht.

Ich habe gelernt, dass Selbstverständlichkeiten keine sind und das Selbstverständnis sich ändern kann. Dass es einen Teil meiner Identität gibt, den ich bestimmen und planen kann, und darüber hinaus es Prozesse gibt, die einen irgendwo hinführen; dass es gilt, immer wieder eine gute Balance zu finden zwischen Losgehen, Innehalten, Nachspüren, Führen und sich führen lassen. Und dass es wichtig ist, die Neugierde nicht zu verlieren.

Ich habe auch einsehen müssen, dass ich genau das zwar viel mit Menschen bespreche und „predige“ und besinge, dass es mir aber selbst gar nicht so einfach fällt. Und dass es gut ist, manchmal, wenn man der eigenen Einschätzung nicht traut auf andere zu hören, die gerade klarer schauen können, in welchem Zug man sitzt.

Meine letzten Wochen waren geprägt von kleinen Schritten: Innehalten, nachspüren, wieder ein kleiner Schritt. Oder wie Otto Pötter sagt:

Innehalten-betrachten-empfinden-besinnen – anders weitermachen

Und ich muss zugeben, und vielleicht kennt ihr das – ich finde es echt nicht so einfach; so schnell ist die Welt um uns herum, so vielfältig die Aufgaben, so groß die Ansprüche von anderen oder uns selbst, so schnell die Schleifen, die man dreht. Es ist mühsam und manchmal sehr fremd zu atmen, ruhig zu werden und genau nachzuspüren: Was brauche ich gerade? Was will ich wirklich? Oder was denke ich nur, wie es laufen muss.

Die gute Nachricht ist: Es wird einfacher. Man kann es üben, man kann versuchen das Karussell immer mal wieder anzuhalten, und mit jedem Erfolg geht es bei der nächsten Entscheidung etwas besser. Die Sehnsucht ist gross. Nicht umsonst handeln so viele von den Liedertexten, die wir singen, von Ruhe und Stille und Gewahr-sein, von innerem Frieden und Wegen und Richtungen, die einzuschlagen sind.

Das Gute am Singen ist, dass es fast automatisch eine ganzheitliche Erfahrung ist. Wir haben den Körper dabei und den Geist und den Spirit. Wir sind nicht versucht, uns in Selbstkonzepten zu verlieren, weil wir in der Innenschau und im Ausdruck ganz klar wir selbst sind; weil wir oft einfach nur ruhig werden müssen, um zu merken, wer das ist. Dabei kann nichts schiefgehen. Da kann man sich nicht verpassen. Das geht nicht beim Singen. Und dann können wir ein- oder mehrstimmig uns erleben in Liedern wie

Und ich gehe diesen Weg nicht ganz allein, und ich spüre den Moment, so soll es sein.“

Da sein-ich sein- gewahr sein- so sein" (K.Voss)

Ich konnte die Mantren die letzten Wochen eher innerlich singen – geht auch – und freue mich, nach der Ruhe, sie wieder laut anzustimmen. Ab nächster Woche (14.2.) läuft alles wie gewohnt und wird wieder mit mir gesungen (diese Woche teilweise Vertretung)

Dann dürfen sich auch wieder die Onlinefans dazuschalten.

Am 23/24. März wird unser schönes Sing- und Trommelretreat stattfinden. Ich habe den Frühbucherrabatt nochmal bis zum Ende der Woche verlängert (11.2.) Jetzt sparen und anmelden.

Ich freue mich auf Euch und atme nochmal durch

Kordula Voss


Kordula Voss
Dipl.Musiktherapeutin

2. Vorstand/ Weiterbildung/ Singleitung (singende Krankenhäuser)

Gestalttherapeutin

Yogalehrerin
www.Klang-Hafen.de

info@klang-hafen.de

Kommende Veranstaltungen:

23+24.3.2024 Stadtretreat "feel the Rhythem of your heartbeat" mit Thomas Jüchter zusammen

28+29.ß.2024 Stadtretreat "Singen im Wandel" mit Michael und Katja Böhm

Klang-Hafen

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