Wenn du atmend aufgewacht bist, herzlichen Glückwunsch! Du hast eine neue Chance


Liebe_r* Reader

Der Atem sollte in uns eingehen wie Perlen, dann gibt es keine Stelle, die er nicht erreichen könnte. –Wang Chung-Yü

Perlen. Ja, ich möchte Perlen in mir drin haben. Gerne, statt all der Gedanken, die da sonst kursieren. Manchmal klappt es.

Eine Freundin schrieb mir gerade, sie wäre auch nach der Wahl eine Woche krank gewesen, und ich dachte spontan: Ach ja, da hätten wir alle eine Woche Pause gebraucht. Einfach so; innehalten, einfach die Belastungen und Prozesse und Dinge, die uns so nebenbei beschäftigen mal setzen lassen. Und gleichzeitig finde ich, es bedarf mehr denn je der Entscheidung, was wir eigentlich in uns hineinlassen wollen, was da in uns landen soll. "Welche Informationen sind hilfreich? "denke ich jedes Mal, wenn ich in eine Zeitung schaue, welche bringen mich zum Handeln oder in eine Informiertheit, die gut ist, und was lähmt mich und breitet sich aus zu einem diffusen Nebel von Belastung? Was will ich in mich reinlassen und dort wirken lassen, und was nicht? Angeboten wird uns genug. Wir müssen wählen.

Einatmen tun wir erstmal fast automatisch. Genau wie bei den Dingen, die wir sonst zum Leben brauchen, wie z.B. der Ernährung, überlebt man schon, wenn man es irgendwie macht. Relativ lange sogar irgendwie ok.

Das ist vielleicht auch das Fatale oder das, was uns lange in dem „Überlebensmodus“ hält. Denn es ist nötig, soweit wir das können, zu entscheiden: Was wollen wir einatmen, was wollen wir uns einverleiben, was wollen wir in uns drin haben? Denn dort bewegt es sich und verbreitet sich und zieht Kreise wie ein Stein im Wasser.

Nun ist das nicht so einfach, wir werden verleitet, alles schreit nach unserer Aufmerksamkeit, danach, von uns eingeatmet zu werden. Er braucht, ja, es braucht Disziplin. Und Übung. Und innehalten an Stellen, an denen wir uns einen Raum schaffen, in denen das einströmt, was wir wollen.

Das gemeinsame Singen und Atmen ist für mich so ein Raum. Es ist Disziplin in Meditation. Es ist ein Raum, in dem wir geschützt sind und für eine zeitlang entscheiden, welche Klänge und Botschaften in uns hineingehen. Ich glaube, jede, die schon auf diese Weise mitgesungen hat, merkt, wie es von dort aus Kreise zieht, sich ausbreitet, neue Kulturen in uns drin entstehen lässt.

Ja, es sind vor allen die positiven Dinge, die wir besingen, und auch von Prozessen und Zweifeln und wie wir wieder in unsere Kraft kommen. Wir singen uns ein bisschen in andere Sphären ohne weltfremd zu werden. Wir glauben für einen Moment an die Kraft und das Gute, weil wir es fühlen in dem Moment und weil es zu kurz kommt sonst bei dem Geschrei des Schwierigen. Wir konzentrieren uns einen Moment auf das Verbindende und Gemeinsame, weil wir bei all den Kriegsnachrichten sonst vergessen, das wir doch alle ganz schön gleich sind. Wir atmen bewusst ein, sammeln darin Kraft und nähren uns, um neu zu entscheiden, wie wir innehalten und weitermachen wollen.

Oft berichten die Sänger_innen, wie sie die Lieder weiter begleiten durch die Woche, wie die Entscheidungen, was sie in sich reingelassen haben, sich in ihrem Alltag ausbreitet, die Schutzschicht vervielfacht, die Farben intensiver werden lässt.

Das bewusste Einatmen und Singen lässt uns den Unterschied machen zwischen Überleben und Leben.

„Jeder Klang, den unsere Kehle gibt, beruht auf seinem Strömen. Jeder Gedanke, der uns durchzieht, wird von ihm beeinflusst. Jedes Gefühl, das in uns lebendig wird, lebt von seiner Kraft – jede Schwierigkeit in unserem Dasein sucht er auszugleichen bis zur Hilfe in großer Not – kurz: Atem ist Leben." –Ilse Middendorf


Lasst uns neue Chancen nutzen, lasst uns leben statt überleben und noch mehr als sonst darauf achten, was in uns hineinströmen soll.

Ab Donnerstag laufen die Singgruppen wieder regulär. Ich freue mich auf Euch!

Es gibt noch ein paar freie Plätze für unser Wochenendretreat am 22/23.3 Atmen- Tönen- Singen. Yuchuu, es ist bald so weit.

Kordula

Dipl.Musiktherapeutin /Weiterbildung/ Singleitung (singende Krankenhäuser)/Gestalttherapeutin/ Yogalehrerin

www.Klang-Hafen.de info@klang-hafen.de ​ ​

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