Man kann sich über alles und nichts wundern. Und das täglich - und was das mit dem Singen zu tun hat


Liebe_r* Reader

Warum staunst Du nicht, warum freust du dich nicht über dich selbst und über all die anderen um dich herum? Ist es dir so selbstverständlich, daß du lebst, daß du Zeit bekommst, um zu singen und zu tanzen? Zeit, um glücklich zu sein? (Phil Bosmans)

Ich über mich gerade im Staunen. Es gibt Phasen, da muss ich garnicht so viel üben, da geschieht es von selbst, und dann wieder muss ich mich erinnern- oder eher- die Achtsamkeit entwickeln, die Zeit einräumen, die Augen und Ohren spitzen und dem Wundern eine Chance geben, die um ums herum sind. Denn Staunen ist dann ein Mischung aus wundern, bewundern, neu kennenlernen, im Hier und jetzt sein, sich verzaubern lassen.

Es können relativ pragmatische Dinge sein, die mich staunen lassen, neulich z.B. war ich bei einer medizinischen Untersuchung und sehr beeindruckt über die Apperate, die uns in der modernen Medizin zur Verfügung stehen; völlig verrückt, was man alles abbilden, verfolgen, sehen kann. Manche Tage kann ich sogar genauso fasziniert vor einer Waschmachinentrommel sitzen und mich freuen, nicht mehr auf einem Brett schrubben zu müssen. Oder morgens staune über den Wintereinbruch und glitzender Frost auf den Blättern und den ersten Schnee. Natur macht es einem eh einfach zu staunen finde ich.

Es gibt im englischen das Wort Awe- Ehrfurcht, das mag ich, ich finde, da ist schon im Wortklang das Körpergefühl enthalten, die Öffnung, der ovale Mund, der weitere Brustraum. Überhaupt, unser Körper; Funktioniert er nicht, sind wir im Ärger und hilflos, aber ist es nicht erstaunlich, was alles funktioniert? Täglich? In kleinen Räderbewegung, perfekt konstruiert? Und wir dürfen ihn bewohnen, dürfen uns damit bewegen, uns strecken, Yoga machen, gähnen, singen, andere Menschen spüren, tanzen...

"Es tut dem Menschen gut, wenn ihm ab und zu die Luft wegbleibt, wenn er mit offenem Mund und grossen Augen dasteht wie ein Kind" (deutsches Sprichwort)

Kinder machen es uns vor, erleben sie doch viele Dinge zum ersten Mal. Man kann sich von Ihnen anstecken lassen, auf alles mit frischen Blick schauen und neu hinterfragen.

"wer ins Innere des Lebensglücks vorgedrungen ist, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus" (Ernst Ferstl)

Ich würde es sogar umdrehen. Wer ins Innere des Lebensglücks vordringen möchte, muss lernen zu staunen. Staunen ist Voraussetzung für Lebensqualität, für Tiefe, für Sinn! „Selbst wenn das Leben gut ist, die Grundbedürfnisse gestillt sind, wird der Glanz abhanden kommen, wenn man sich nicht immer wieder überwältigen lassen kann vom Staunen“ (Keltner Dacher)

Was braucht es, um das Staunen wieder mehr ins Leben zu holen? Es braucht Zeit, und Offenheit, es braucht Loslassen und Hingabe, es braucht die Bereitschaft, alle Erwartungshaltungen abzulegen und sich überwältigen zu lassen.

Im Singen staunen wir, wir berühren die Ehrfurcht in uns drin, wir lassen uns auf etwas Neues ein. Wir schaffen die Zeit und den Raum und die Hingabe an etwas, das grösser ist als wir. Wir verschieben die Grenzen unseres Egos und wundern uns, wie leicht das ist. Wir glauben an das meh(e)r um uns rum und in uns drin. Wir werden zu Kindern, die etwas zum erstem Mal erleben oder nicht einordnen müssen oder erstmal nur staunen dürfen. Jedes Lied, und sei es noch so oft gesungen, berührt uns neu und da ist es: Awe- Ehrfurcht.

Ich bin wieder gesund, dass heisst es wird wieder gesungen, diese Woche und regelmässig bis Weihnachten. Alle Informationen zu den Singgruppen findet ihr hier. Demnächst lassen wir das Handy mitlaufen und nehmen wieder unsere best of 2025 auf:) ihr könnt schonmal überlegen, was drauf soll.

Ihr werdet staunen! ab sofort findet ihr einige Liedtexte (besonders die komplizierteren) auf der Webseite. Das könnte besonders für die OnlinesängerInnen interessant sein:) ich werde immer mal welche ergänzen.

Wie immer freue ich mich auf Euch und das gemeinsame Staunen lernen

Kordula Voss (sie/ihr)
Dipl.Musiktherapeutin

Weiterbildung/ Singleitung (singende Krankenhäuser)

Gestalttherapeutin

Yogalehrerin
www.Klang-Hafen.de

info@klang-hafen.de
Bitte teile mir gerne mit, mit welchem Pronomen Du angesprochen werden willst

Kommende Veranstaltungen

28/29.3.2026 Mantren, chants and connected hearts (mich Michael und Katja Böhm) (infos folgen)

14/15.11.2026 Vom Jodeln, Juchzen und der grossen Natur (mit Dorothea Heckelsmüller) (infos folgen)



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Liebe_r* Reader „Glattes Eis, ein Paradies für den, der gut zu tanzen weiß.“ (Friedrich Nietzsche) Das stimmt wohl. Ganz Berlin sieht man gerade übers Eis tanzen, in anderen Teilen Deutschlands sieht es wohl nicht anders aus (wird aber vielleicht besser gestreut..). Naja, und wenn man ehrlich ist: Wie tanzen fühlt es sich nicht an. Eher wie vorsichtiges rumtasten, schleichen, ausloten, prüfen, hinken, ausweichen, testen, abwägen. Der Winter zwingt einem eine Langsamkeit auf, mit der ich immer...

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